Der Stolz der Nationen


David B. Goldberg, M.A.
David B. Goldberg, M.A.

Ein fundamentales Prinzip jüdischer Lehre ist, dass bei der Heiligen Schrift nichts überflüssig ist, jedes Wort ist unverzichtbar. Warum also wird die Geschichte von Aarons älteren Söhnen, Abihu und Nadab, die vom Feuer verzehrt wurden, als sie „fremdes Feuer“ bei der Einweihung der Stiftshütte darbrachten, viermal in der Thora erwähnt (3. Mo. 10, 1-2; 16,1; 4. Mo. 3, 4; 26, 61)?

Gottes Gesetz ist unveränderbar. Wir können nur darüber spekulieren, ob die Söhne hemmungslos, berauscht, oder unzüchtig gekleidet waren, miteinander wetteiferten, Mose und Aaron abzulösen, oder schlimmer. Doch inmitten der vielen Erklärungsversuche für ihre Sünde, wird klar, Stolz war eine Hauptursache.

So ist es auch heute.

Nach einer kurzen Periode in der modernen Geschichte, nach dem Holocaust, als die Mehrheit der Nationen mit dem jüdischen Volk mitfühlte, und ihm seinen eigenen Staat zuerkannte, verkehrte sich die Haltung der Welt schnell ins Gegenteil. Als die erklärten Feinde Israels ihre Ablehnung der Juden durch Krieg, Terror, Boykott, Delegitimierung und asymmetrische Kriegsführung zeigten, antworteten die zivilisierten Länder der Welt darauf, indem sie zwar öffentlich Bedenken äußerten, aber im Allgemeinen nichts taten. Der Handel und der Zugang zum Öl hatten Vorrang vor der Moral.

Es gab Ausnahmen, allen voran die USA, doch das kam darauf an, wer dort gerade Präsident war.

Heute herrscht auf Regierungsniveau in ganz Europa eine kaum verborgene Verachtung für Israel. Kürzlich vorgelegte Studien zeigen, dass rund 40 % der Europäer die Israelis für genauso böse halten wie die Nazis. Der akademische und technologische Austausch mit Israel geht weiter, Abkommen werden geschlossen, doch ein Hauch von Verachtung für Juden ist allgegenwärtig.

Ein Bereich, wo dies deutlich wird, ist die Position der Europäischen Union bezüglich Judäa und Samarien (die Westbank). Israels Rechte gründen sich auf unwiderlegbares, internationales Recht, doch die EU ignoriert dies dreist und plappert die Aussagen der muslimischen Welt nach, indem sie das israelische Wachstum als „illegale Siedlungen“ bezeichnet. In 200 Regionen der Welt gibt es ungeklärte Grenzkonflikte, doch nur der, welcher Israel betrifft, bringt andauernde weltweite Verurteilungen hervor. Paradoxerweise ist Israels Ausdehnung der jüdischen Gemeinden über die „Grüne Linie“ hinaus geringer unter der Führung des derzeitigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, als während der Amtszeiten der Ministerpräsidenten Ehud Barak oder Ariel Sharon in vorangegangenen Jahrzehnten.

Als im März der UN-Generalsekretär Ban-Ki moon de facto die westliche Sahara als durch Marokko „besetzt“ bezeichnete und damit für regionale Aufregung sorgte, entschuldigte sich sein Büro binnen weniger Tage, und er nahm seine Äußerungen zurück.

Arroganterweise will die EU Produkte aus den strittigen Gebieten als nicht israelisch kennzeichnen, eine die Doppelmoral offenbarende, himmelschreiende Forderung, die von keinen anderen Streitparteien verlangt wird, weder von den Türken in Zypern, noch von den Chinesen in Tibet, noch anderswo. Schließlich hat die EU ihre Forderungen modifiziert, doch die schikanierende Art des EU-Botschafters für Israel, Lars Faaborg-Andersen, und der EU-Außenbeauftragten, Federica Mogherini, war fanatisch und beleidigend.

Bereits vor Gründung der EU, wurde Israel als eine Nation zweiter Klasse behandelt. In seiner alarmierenden Darlegung zeigt der schweizer Journalist Marcel Gyr (Swiss Years of Terror: The secret agreement with the PLO, 2016), dass in den 1970er Jahren, als Flugzeugentführungen durch Terroristen monatlich Schlagzeilen machten, Frankreich, Deutschland, Italien und die Schweiz Deals mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) machten, in denen sie versprachen, die Terroristen innerhalb ihrer Landesgrenzen nicht strafrechtlich zu verfolgen, solange ihre Länder nicht angegriffen würden. Terroristen, wie der berühmt-berüchtigte Ilich Ramírez Sánchez (Carlos, der Schakal), prahlten sogar damit, dass sie sich immer sicher fühlten in der Schweiz, immun gegen Zugriffe („Terrorism and European Democracies“, Manfred Gerstenfeld, Jerusalem Post, 27.03.15).

Moral bedeutete den Regierungen nichts. Sie zahlten die Terroristen aus, gewährten ihnen ein sicheres Versteck und schützten sie. Und Israel wurde so daran gehindert, sie zur Rechenschaft zu ziehen.

Unternehmen machten sich mitschuldig an den Deals. In einem Fall von vor 40 Jahren zahlte eine große US-Bank der PLO heimlich Geld, damit ihre Tochterbank in Beirut (Libanon) sicher bliebe – ein klassischer Fall von Schutzgeld, das Gangstern gezahlt wird. Das war eine übliche Vorgehensweise von Unternehmen, die ein Sprungbrett wollten, was das einmalige Finanzkapital und die kosmopolitische Spielwiese im Nahen Osten anbelangte.

Als die Terror-Organisationen reicher wurden und ihre Zellen von westlichen Regierungen geschützt wurden, nahmen die Verbrechen gegen Israel zu. Juden waren der sprichwörtliche Sündenbock der Welt. Während Israel oder seine Bürger und dessen Abgesandte im Ausland das erste Ziel von Terror blieben, drehte sich die Welt in eine andere Richtung.

Der Zenith wurde 2015 mit dem iranischen Atomabkommen erreicht. Der Iran machte aus seinen Absichten mit Israel keinen Hehl. Die iranischen Absichten, den jüdischen Staat auszulöschen, wurden wieder und wieder von Sprechern des Iran geäußert, und werden es noch. Und doch ließen sich die verhandelnden Länder nie von ihrem Streben nach einem Abkommen mit dem Iran abbringen. Was sie aushandelten, war schlecht. Wenn der Iran die Richtlinien einhält, wird er in einem Jahrzehnt mehr oder weniger ungehinderten Zugang zu Atomwaffen haben, und Europa einen ungehinderten Handel mit dem Iran.

Iran_USABereits mit dem heutigen Tag hat der Iran schon wiederholt die Klauseln des Abkommens verletzt: Er hat nie aufgehört, ballistische Raketen zu entwickeln (und probeweise abzufeuern), die mit atomaren Sprengköpfen ausgerüstet werden können und Israel sowie Europa erreichen können. Und mit Milliarden US-Dollar eingefrorener Gelder, die wieder an den Iran übergeben werden, und mehrjährigen, unterzeichneten Handelsabkommen, hat die iranische Finanzierung von Terror-Organisationen weltweit zugenommen.

Das bereits von allen Seiten bedrohte Israel ist wieder einmal das Opferlamm. Vorgeblich ein Mitglied der Nationengemeinschaft über die Vereinten Nationen, wird Israel in Wirklichkeit nicht zu den Nationen gezählt, genau wie Bileam es damals schon prophezeit hatte (4. Mo. 23, 9).

Gerüchte aus Washington legen nahe, dass Präsident Barack Obama Israel dieses Jahr erpressen könnte, Land abzugeben. Dies würde er erreichen, indem er damit droht, Israel nicht vor Versuchen des UN-Sicherheitsrates zu schützen; dieser will Entscheidungen gegen Israel verhängen und einen weiteren Palästinenserstaat schaffen. Ob Obama ein Veto einlegt oder nicht, Israel würde der Verlierer sein.

Doch Handlungen haben Konsequenzen, wie im Fall von Abihu und Nadab (vgl. Apg. 5, 1-5).

Die Selbstgerechtigkeit europäischer Regierungen, die sich selbst stolz als post-christlicher Kontinent bezeichnen – und gewiss kennen sie einen besseren Weg als die „veraltete“, biblische Vorgabe, Israel zu segnen und zu schützen – hat zu einer strafenden, selbst-zerstörerischen Politik geführt.

Als sich europäische und nordamerikanische Türen Einwanderern öffneten, sind muslimische Flüchtlinge hereingeströmt, die ein Kultur- und Wertesystem mitbringen, das den westlichen Ländern fremd ist. Die freien Länder sehen Vorteile darin, meinend, die Einwanderer würden dringend benötigte Arbeitskräfte und das nötige Bevölkerungswachstum bringen. Die Flucht vor Verfolgung ist die übliche Erklärung für die Politik der offenen Türen. Ein bedeutender Teil der „Flüchtlinge“ flieht sicher vor Verfolgung, doch ein großer Teil sind auch Wirtschaftsflüchtlinge. Die Mehrheit von ihnen sind arbeitsfähige Männer zwischen 18 und 49 Jahren, die verdächtigerweise ohne ihre Familien einreisen.

Andere werden skrupellos ignoriert. Christen sind die meistverfolgte Personengruppe in muslimischen Ländern. (Juden wurden bereits vor Jahrzehnten getötet oder vertrieben.) In Ägypten, dem Irak, Libyen, Nigeria und Syrien begeht man Völkermord. Zu Tausenden werden christliche Männer ermordet, Frauen und Töchter als Ehefrauen und Sex-Sklavinnen verkauft, Kinder als Sklaven. Sie werden geköpft, verbrannt und gekreuzigt („Inconvenient Genocide“, Caroline Glick, in Jerusalem Post, 08.04.16). Trotz alledem sind die Überlebenden diejenigen, die den geringsten Zugang zum Schutz in Europa und Nordamerika haben. Bei den Einwandererzahlen sind sie stark unterrepräsentiert.

Stattdessen werden die Städte mit einer Bevölkerung überschwemmt, die das Gesicht Europas binnen einer Generation verändern wird. Eine für ihre Museen und Klassik bekannte Hauptstadt hat bereits 150 muslimische Kindergärten: Wien (Österreich). Die Pädagogen sind alle Muslime, und in vielen Klassen wird der Unterricht nicht mehr auf Deutsch abgehalten, so Prof. Ednan Aslan vom Institut für Islamische Studien an der Universität Wien (Kurier, Österreich, 15.12.15).

Biblische Prinzipien werden über Bord geworfen und durch säkulare, humanistische, ja sogar wirtschaftlich motivierte Zeitgeisttendenzen ersetzt, die man fälschlicherweise als „soziale Gerechtigkeit“ betitelt. Wenn sich das Kommen des Messias verzögert, wird die Generation unserer Kinder die Konsequenzen dieses Stolzes tragen müssen.

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